Als Mutter aufs Abstellgleis?

Sandra Kierspel | Adels Contact

Sandra Kierspel

Sandra Kierspel ist gelernte Industriekauffrau. Ihre Ausbildung hat sie in Wuppertal bei einem ganz kleinen Betrieb absolviert. Sie bezeichnet sich selber als Allrounderin. Sie liebt es, vielfältige Aufgaben im Job zu haben und sich so entwickeln zu können.

Gebürtig stammt sie aus Polen. Im Grundschulalter ist sie aufgrund der Berufstätigkeit ihrer Mutter nach Köln gekommen. Dort ist sie dann weiter aufgewachsen. Auch aktuell lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern (3 und 5 Jahre) in Köln. Ende Dezember 2021 steht allerdings der Umzug in ihr Haus nach Rösrath an. Ihr Mann ist gebürtiger Rösrather und gemeinsam startet die Familie dort in einen neuen Lebensabschnitt.

Sie haben aus Ihrer Elternzeit heraus eine berufliche Veränderung gewagt. Was hat den Ausschlag für diesen Schritt gegeben?

In meinem alten Unternehmen war ich knapp sieben Jahre tätig, einige Zeit davon in Elternzeit. Ich bin Mutter von zwei Kindern. Irgendwann war klar, wenn ich zurückgehe, dann wäre meine einzige Option in eine ganz bestimmte Abteilung zu gehen, wo meine Aufgaben allerdings wenig anspruchsvoll wären. Ich komme als Mutter zurück und meine einzige Option fühlt sich so an wie ein Abstellgleis. Das hat mir zugegebenermaßen sehr zu Denken gegeben. Ich hätte keine Möglichkeit gehabt mich weiterzuentwickeln, das wollte ich auf keinen Fall. Ich strebe für mich im Beruf eine Weiterentwicklung an und genau das Gleiche möchte ich auch für mich in meiner Rolle als Mutter. Das ist mir wichtig.

Hinzu kam, dass wir aufgrund der Corona-Situation inklusive Lockdown sicherlich mehr Zeit und Gelegenheit hatten über vieles nachzudenken und zu reflektieren.

Welche Gedanken haben Sie zu dieser Zeit beschäftigt? Wie haben Sie sich gefühlt?

Natürlich war ich hin- und hergerissen. Ja, ich hatte einen sicheren Job. In Zeiten von Corona und der aktuellen Situation, in der ich mich befand, ein durchaus gutes Argument. Doch ich empfand diesen Job als langweilig. Er entsprach nicht meinen Fähigkeiten. Ich kann viele Dinge gut und bringe Talente mit und gleichzeitig hatte ich so oft das Gefühl, niemand will es sehen. Das hat mich schon traurig gestimmt.

Mir war durchaus sehr bewusst, dass Corona das Thema Jobsuche nicht einfacher macht. Viele haben mir gesagt, auch viele andere Mütter aus der Kita meiner Kinder: Mach das nicht! Das klappt nicht. Behalte den Job, der ist sicher. Bleib da! Das ist echt nicht leicht, wenn man sowas zu hören bekommt. Und auch wenn die Leute es nicht direkt aussprechen, man spürt es, was sie im Stillen denken.

Mein Mann hat mich bestärkt und einige weitere Menschen aus meinem engeren Umfeld. Das hat mir wiederum Kraft gegeben.

Tipps von Sandra Kierspel

TRUST YOURSELF! Wenn das Gefühl da ist, ich will was verändern, ist es immer einen Versuch wert. Und es gibt auf jeden Fall Betriebe, die Vereinbarkeit unterstützen und möglich machen. Wichtig ist auch, sich nicht von der Skepsis zurückwerfen zu lassen, die einem entgegenschlägt. Bleib bei dir. Wenn du überzeugt bist von deinem Weg, dann geh raus und versuche es.

Natürlich passiert es, dass man diese Skepsis und das Negative zunächst annimmt, sich traurig fühlt und vielleicht auch nicht vom Fleck kommt. Das ist menschlich, würde ich sagen.

Doch ich finde es wichtig, auf sein Bauchgefühl zu hören. Und wenn einem das sagt, mach es, dann wird das richtig sein. Ich habe für mich mit der Zeit geschafft, diese Skepsis von anderen Leuten ein Stück weit auszublenden. Klar gibt es Phasen, wo Traurigkeit und eine gewisse Mutlosigkeit schonmal wieder vorbeischauen. Dann habe ich mir immer wieder das Positive und die Möglichkeiten vor Augen geführt.

Stell deine Fähigkeiten, die du während deiner Elternzeit erlernt hast, in den Fokus. Und es ist eine Menge, was man lernt. Auch wenn wir das oftmals nicht bewusst wahrnehmen. Neben offensichtlichen Ressourcen wie Stressresistenz, der Umgang und das Priorisieren von verschiedenen Anforderungen, die gleichzeitig auf uns einströmen, ist da noch mehr. Wir haben uns in einem völlig neuen Lebensabschnitt zurechtgefunden, unsere Rollen neu geschaffen und definiert, gelernt, Grenzen neu und anders zu ziehen und noch viel mehr. Das sind alles Ressourcen und Kompetenzen, die mir auch beruflich weiterhelfen. Zeige diese andere Seite auf, stelle das Positive heraus.

Bereite dich auf das Gespräch vor. Informiere dich vorab gut über das Unternehmen. Bringe deine eigenen Fragen mit ein. Ich habe selber auch meist Block und Stift dabei für meine eigenen Notizen. Durch die gute Vorbereitung auf das Gespräch und meine Neugier auf diese Stelle, bin ich auch sehr positiv in das Gespräch gegangen. Mein Gegenüber hat gemerkt, ich habe Lust auf diese Stelle. Und dann werden Aspekte wie mögliche kranke Kinder auch schonmal zur Nebensache.

Wie genau sind Sie das angegangen?

Ich weiß, dass liest sich jetzt leichter als es ist. Ich habe einfach all meinen Mut zusammengenommen. Ich habe mit meinem alten Arbeitgeber gesprochen und meine Wünsche offengelegt. Meine damalige Chefin hat mich tatsächlich darin bestärkt eine Veränderung zu wagen und mich weiterzuentwickeln. Für mich war dann klar, ich musste einen klaren „Cut“ machen, damit ich da wegkomme und bloß nicht wieder zurückgehe. Sie sind mir entgegengekommen in Sachen Kündigungsfrist und so hatte ich sogar noch Zeit, mich in Ruhe zu orientieren und mir etwas Neues zu suchen.

Ich habe begonnen, mir meine Stärken und Fähigkeiten bewusst zu machen. Was kann ich gut? Was macht mir Freude? Was interessiert mich? Wohin will ich? Was habe ich in meiner Elternzeit und durch die Kinder gelernt? Es ging darum, mich selber ein Stück weit zu finden.

Ich habe allen möglichen Leuten in meinem Umfeld erzählt, dass ich auf der Suche bin und mich beruflich verändern möchte. Daneben habe ich natürlich auch selber nach Stellenausschreibungen geschaut.

Meine Schwiegermutter war es schließlich, die mir die Stellenanzeige von Adels-Contact weitergeleitet hat. Sie hatte sie im Bergischen Handelsblatt entdeckt und direkt gedacht, dass passt zu mir wie die Faust aufs Auge.

Warum haben Sie sich bei Adels-Contact beworben? Was hat Sie angesprochen?

Die Vielfältigkeit der Stelle hat mich besonders angesprochen. Sie hatten die Position einer Assistentin der Geschäftsführung mit Schwerpunkt Marketing und Personal ausgeschrieben. Ich bin und war schon immer eine Allrounderin, deswegen hat es da sofort „Klick“ bei mir gemacht. Diese Kombination hat mich sehr gereizt. Ich mag es sehr, mit Menschen zu arbeiten.

Bei dem Aspekt Marketing war ich anfangs echt unsicher, da meine letzten Berührungspunkte mit dem Thema länger her waren und ich somit nicht „up-to-date“ war.  Ich war verunsichert, ob ich das aufholen kann, was ich in den Jahren verpasst habe. Das hat mich zögern lassen. Am Ende habe ich mich trotzdem beworben.

Wie hat sich die Unsicherheit bezogen auf die fehlende Erfahrung im Marketing denn später aufgelöst?

Bestärkt hat mich letztlich vor allem Herr Rumpff, mein heutiger Chef und Geschäftsführer bei Adels-Contact. In unserem ersten Vorstellungsgespräch war direkt so ein positiver Vibe zwischen uns. Herr Rumpff sagte damals zu mir „So wie ich Sie wahrnehme, glaube ich daran, dass Sie das lernen und sich dahin entwickeln können. Sie schaffen das!“ Das hat viel mit mir gemacht, das zu hören. Und ja, ich habe keine Angst zu lernen. Im Gegenteil, ich lerne gerne. Klar, schaffe ich das. Und letztlich hat es sich auch bestätigt.

Drei Dinge, die Sie an Ihrem Arbeitsplatz besonders schätzen.

Auf Platz 1 ist für mich ganz eindeutig die positive Arbeitsatmosphäre. Ich wurde noch nie an einem neuen Arbeitsplatz so empfangen wie hier bei Adels-Contact. Meine Kollegen sind alle aufgeschlossen und mir sehr zugewandt. Und ich kann sagen, wir begegnen uns hier miteinander auf Augenhöhe, egal, wo jemand tätig ist im Betrieb.

Auf Platz 2 ist das Gefühl, wertvoll für dieses Unternehmen zu sein. Zum Beispiel habe ich nach dem Betriebsfest, das ich organisiert habe, so liebevolles Feedback von Kollegen bekommen. Die Menschen hier scheuen sich nicht, sich das gegenseitig zu sagen, wenn sie finden, jemand hat was gut hinbekommen. Viele haben mir auch gesagt, ich bringe frischen Wind rein und sie sind froh, dass ich da bin. So eine Unternehmenskultur habe ich bislang nicht erlebt.

Auf Platz 3 steht für mich die Möglichkeit, Home-Office in Anspruch zu nehmen, um meinen Beruf gut mit meiner Familie vereinbaren zu können.

Wie sieht das Thema Vereinbarkeit jetzt ganz konkret aus an Ihrem jetzigen Arbeitsplatz?

Ich habe immer die Option, im Home Office zu arbeiten, wenn sich einmal Betreuungsschwierigkeiten ergeben. Ich kann zudem meine Arbeitszeiten anpassen, wenn Termine anstehen. Zum Beispiel konnte ich in der Phase der Eingewöhnung meines Jüngsten in der KiTA komplett im Home Office arbeiten und zusätzlich meine Arbeitszeit flexibel an meine familiären Bedürfnisse anpassen. Das hatte wirklich einen sehr hohen Wert für mich in dieser Zeit. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit. Auch hinsichtlich der technischen Ausstattung wird mir alles zur Verfügung gestellt, was ich für die Arbeit zu Hause brauche.

Wie sieht Ihr Leben neben der Arbeit aus?

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Kindern. Ich bin eher der spontane Typ. Deswegen lassen wir oft auf uns zukommen, was wir zusammen unternehmen. Wenn wir Lust haben, uns den Kölner Dom anzuschauen, dann machen wir das. Ich finde es wichtig, den Tag auf sich wirken zu lassen und sich nicht so voll zu packen. Natürlich mache ich auch gerne einmal was nur für mich. Ich gehe gerne mal bummeln und ich liebe es, neue Orte zu entdecken. Wenn ich reise und neue Ort auf der Welt entdecken kann, dann kann ich wirklich die Zeit um mich herum vergessen. Dann tauche ich dort komplett ein. Wunderbar entspannend finde auch, wenn ich die Gelegenheit habe, in die Therme zu gehen und mir eine Wellnessanwendung zu gönnen.

Meine Familie spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben. Wir sind auch oft in Polen, um dort unsere Familie zu besuchen.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft unserer Arbeitswelt?

Ich wünsche mir, dass vor allem Müttern ohne Vorurteile begegnet wird. Ich bin überzeugt, dass würde vielen Eltern berufliche Veränderungen so sehr erleichtern und wäre auch ein Vorteil für Arbeitgeber. Leider ist es oft noch anders. Bei Adels-Contact habe ich erfahren, es findet sich in der Regel eine Lösung, wenn man drüber redet und Möglichkeiten gemeinsam auslotet. Ich würde mir wünschen, dass jeder von uns seinen passenden Arbeitsplatz findet, wie ich ihn hier gefunden habe. Ich gehe mit Freude zur Arbeit, kann meine Fähigkeiten einbringen, lerne dazu und entwickele mich weiter.

Adels-Contact ist ein mittelständisches, unabhängiges Industrieunternehmen in Bergisch Gladbach. Unsere Mitarbeitenden entwickeln, produzieren und vertreiben hochwertige Anschlusstechnik für die Bereich Beleuchtung, Elektronik und Gebäudetechnik. Unsere Mitarbeitenden sind die Menschen, die sich schnell, persönlich und verbindlich um „fast“ alles kümmern: um Anfragen zum Preis, zur Lieferzeit, Norm und Approbation, eine Terminverkürzung, Mengenanpassung oder Produktänderung und viele mehr.

Bergisch GladbachEvangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach

Julie Sturm: „Für Veränderungen ist es nie zu spät“

Julie Sturm hat mit 40 Jahren eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Hauswirtschafterin beim Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach begonnen und ist heute als stellvertretende Leiterin der Hauswirtschaft tätig. Davor war sie selbständig tätig.

Zur Story →
OverathSmartworx

Nick Unterbäumer: „Erstmal ist mein Ziel, die Ausbildung abzuschließen.“

Nick Unterbäumer ist 19 Jahre alt und aktuell Azubi im 1. Lehrjahr als Fachinformatiker Systemintegration bei smartworx in Overath.

Zur Story →
OverathSmartworx

Marcel Friedrich, wie bist du zu der Entscheidung gekommen, eine Ausbildung bei smartworx zu machen?

Ich habe vorher Medieninformatik in Gummersbach studiert. Das Studium habe ich allerdings abgebrochen, weil es für mich einfach nicht gepasst hat. Ich habe mich schon immer für Computer und Technik interessiert, dadurch war es für mich klar, dass ich auch beruflich etwas in diesem Bereich machen will. Also habe ich die Ausbildung angefangen. Bei smartworx hatte ich zuvor ein Praktikum gemacht. Daran hatte ich gute Erinnerungen.

Zur Story →
Scroll to Top